WeidenHof

gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft

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Betriebsausflug

3. Dezember 2018

Betriebsblind wird man ja manchmal. Tagein, tagaus dieselben Wiesen, im langsamen Wandel der Jahreszeiten, die Herden und Gehölze und Kulturen, die man jeden Tag begrüßt und in deren Mitte man jeden Tag arbeitet. Die üblichen Zahlen, Erhebungen, Dokumentationen. Alles immer wiederkehrend, sich wiederholend und verändernd, ein Hof-Betrieb, dessen Motor man selbst ist. Oder ein Schräubchen von diesem Motor – wer weiß, … Da manche Hofmenschen oftmals jahrelang kaum vom Hof runter kommen, erhalten sie ebendiesen Genuss von Angekommensein auf einem Fleckchen Land, sich verbunden zu fühlen, mit Land und Tieren verwoben sein. Aber sie geraten auch ebenso beständig in diese Verbindlichkeiten verschiedenster Art, egal ob finanzieller Art oder in Form der Zusage, dass sie diesen Tierwesen Fürsorge versprochen haben und tagtäglich, jede Woche, jahrelang die Herde in ihrem Herdenleben begleiten. Verbundenheit und Verbindlichkeit liegen eng beieinander und gehören zusammen.

Und da gibt es noch dieses leise Band, welches die Herde zu ihrem Hirtenmenschen knüpft. Ganz zart und dennoch so mächtig, weil es etwas Uraltes ist. Aber um Euch davon zu erzählen, lasst mich der Reihe nach berichten.

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Nachts ist es kälter als draußen

16. August 2018

Was für ein Jahr, was für ein Sommer…Man arbeitet lieber nachts, nur blöd, dass man nachts nicht so viel sieht. Alle darben unter der Hitze, egal ob Pflanze oder Tier, egal ob Gärtner oder Schäfer… Die Weiden verdorrt, die Kühe werden schon lange zugefüttert, mit den Schafen grasen wir noch alle möglichen und unmöglichen Winkel des Hofes ab. Das Gemüse verbrennt auf dem Acker, Zwiebeln werden auf dem glutheißen schwarzen Moorboden nach dem Ernten einfach gebraten und sind gebrauchsfertig auszuliefern. Einfach warmmachen oder schneiden und auf den Zwiebelkuchen legen, glasig sind sie schon. WeidenHof-Fastfood…. Sowas haben wir hier noch nicht erlebt.

Die Nachbarn sprechen von – wann war es? – 1957 oder 59, als es“schonmal“ so war. Auch so richtig heiß und trocken über lange Zeit, zeitweise mit Wasserknappheit und wie sie auch damals versucht haben, die Kühe satt zu kriegen und wie sie über die Mittagsstunden nicht arbeiten konnten, weil sie auf dem Acker verbrannt wurden und im ersten Tageslicht beginnen mussten und dann bis zum letzten Licht gearbeitet haben, um das, was ansteht auch irgendwie bewältigen zu können.

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Miranda

 8. Mai 2018

Ich möchte eine sehr persönliche Geschichte teilen. Eigentlich mag ich es ja lieber, „disziplinenübergreifend“ über unsere Arbeit als naturraumerhaltende Menschen zu reden und dabei Einblicke in den Berufsalltag zu geben, die nicht nur an schönen Bildern hängen bleiben, sondern auch ein wenig von den Hintergründen vermitteln. Schön ist auch der Austausch mit anderen, die auch durch scharfes Beobachten der Tiere und Pflanzen um einen herum versuchen, gute Arbeit „da draußen“ zu machen – man verstrickt sich so herrlich und erzählt sich von den sonderbarsten kleinen  Käferchen und „fachsimpelt“ über  Stoffwechselprozesse bei zentralnervösen Schafkrankheiten…. Oder man teilt einfach nur dieses Grinsen, wenn die Stille „da draußen“ so unglaublich laut zuschlägt und Endorphine freisetzt. Wir sind wenige, die versuchen, andere Wege als die der Naturzerstörung zu gehen. Ja, leider gibt es „Tierhalter“, die nur Fleischproduzenten sind, das ist sehr schade. Aber es gibt auch leidenschaftliche Gemüsegärtner, die ratlos vor Produzenten von grünen Chlorophyll-Haufen stehen und sich fragen, wie es sein kann, dass man das, was man tut, so wenig liebt. Wer schon mal einen verliebten Gärtner mit strahlenden Augen vor seinen gesunden, starken Jungpflanzen hat stehen sehen, der weiß, wovon ich rede.

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Lammzeit, Mütter, Herden und jahrtausendealte Gedanken

 16. April 2018

Die Lammzeit ist nun endgültig vorüber, die Lämmer haben schon ihre ersten Gesundheits-checks hinter sich, bei den Müttern gab es die ein oder andere, die ein bisschen Hilfe brauchte, weil das Immunsystem nach der Lämmerei manchmal einfach sagt: „puh! – anstrengend!!“ Die „Lämmchen“, die zuerst geboren wurden, sind schon richtige Klopper geworden, es ist bei dem einen Flaschenlamm geblieben und nur ein einziges Lamm haben wir verloren. Mit dem verlammten Lamm zusammen macht das eins komma null sechs Prozent Verlust aus, bei einem Ablammergebnis von hundertfünfundsechzig Prozent. Guter Schnitt. Sehr schön.

Wenn man auf die Herde schaut, finde ich es schon schwieriger, etwas zu schreiben. Jeder Schäfer kennt das Thema „Betriebsblindheit“ wohl auf seine eigene Weise. Was mir momentan ins Auge springt, sind die Mamas, die unermüdlich alles geben, die unentwegt Milch produzieren und an ihre Nachkommen alles an Energie weitergeben, was der kleine Schafkörper aus dem Futter herausziehen kann. Dementsprechend abgesogen sind Schafmütter in den ersten zwei Monaten nach der Geburt. Sonst so moppelige Schafe fallen etwas inder Kondition ab, die Rücken werden knochiger und wenn man von oben auf das Schaf schaut, hat man den dringenden Eindruck, dass es doch viel schmäler geworden ist. Da werde ich immer nervös. Und fange an, nach gehaltvollen Dingen zu suchen, die schafköstlich sind. Zum Glück kommen jetzt gerade langsam die Weiden und wir haben mit vorsichtigem, auf wenige Stunden begrenztem Anweiden begonnen. Denn auch wenn das frische, eiweißreiche Futter extrem gut für die Muttertiere ist, haben sie doch den ganzen Winter über getrocknetes, sozusagen konserviertes Futter genossen, woran sich ihr Magen, also auf schäfisch: der Pansen und die nachfolgenden Mägen, namentlich Netz-, Blätter- und Labmagen, gewöhnt haben. Änderung in der Futterzusammensetzung sollte man bei einem so sensiblen System nur ganz vorsichtig vornehmen, denn sonst gibts fiese Durchfälle. Also gibts vorerst nur ein bisschen frische Wiese und noch reichlich Heu im Stall. Erfahrungsgemäß dauert dieser nervöse Zustand noch bis zur Schur, denn auch wenn die Mütter dann in Folge mehr frische Wiese bekommen und das Futter sehr gehaltvoll ist, ziehen die Lämmer Energie. Frisch geschoren sieht man nun das ganze Ausmaß der Mutterfreuden. Das pummelige Schäfchen ist zum schlanken Reh geworden. Jaja, was die dicke Wolle alles verbirgt….

Alva

9. April 2018

Meine Nachwuchs-hütehündin ist nun 10 Monate alt. Zeit, mal wieder etwas über sie zu schreiben, denn sie wird langsam zu einem vollwertigen und wichtigen Teil meiner kleinen Schäferei. Also soll sie auch entsprechend gewürdigt werden, hier im Blog. Und zu würdigen ist sie! Und wie!

Das erste mal, als ich über Alva schrieb, kam sie gerade hier an. Sie war elf Wochen alt, hatte noch ihr puscheliges Welpenfell und stellte jede Menge Blödsinn an, wie das mit Welpen so ist. Nicht nur meine Hausschuhe, sondern zu meinem Leidwesen auch die von meinem Mann haben nun Welpenzahnmarkierungen und das obwohl ich ihm versprochen hatte, sie würde seine heiligen Wollpuschen nicht anrühren… Zum Glück überdauern Ehen in der Landwirtschaft ganz andere Krisen, da sorgen die Hausschuhe nun nur noch für einen grimmigen Blick und ein schiefes Lächeln meinerseits. Einmal hatte Alva sogar das Käsestück vom Küchentresen gemopst. Das war fast noch schlimmer als Hausschuhe. Ich wunderte mich, dass der Welpe so lange so erstaunlich ruhig ist. Wie das so ist, bei einer solchen Ruhe schwant einem nichts Gutes und man geht sofort nachsehen. Alva lag in der Küche, ihre fette Beute zwischen die Pfoten geklemmt und nagte genüsslich Schicht für Schicht vom Käse runter. Bio-Gouda. Lecker. Wieder war es mein Mann, der hinzukam und einen „ich glaubs ja nicht“ – Ausbruch bekam. Hatte ich erwähnt, dass Welpen auch manchmal Quatsch machen? Manche Dinge sind eben so….

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Lammzeit mal wieder

18. März 2018

Herrjeh! Da sind wir nun gerade mal drei Wochen dabei und zwei Drittel meiner kleinen Herde hat schon abgelammt. Die Mähdels legen sich dieses Jahr ordentlich ins Zeug, aber auch in allem, was geht. Ich habe noch nie parallel Zwillinge aus zwei Müttern gezogen, aber man muss ja alles mal erlebt haben…

Aber nun mal der Reihe nach. Alles fing mit Mell an. Sie begann, sich sehr merkwürdig aufzuführen. Das tun Schafe ja manchmal, wenn die Geburt herannaht, aber Mell trieb es im wahrsten Sinne des Wortes recht bunt. Während alle Mütter – sie selbst ja schließlich eingeschlossen – schon kugelrund durch den Stall schwankten und sich im langsamen Dreivierteltakt zur Raufe begaben und noch gespannte, selige Ruhe vor dem Strum herrschte, kam Mell angerannt mit einem kecken Ausdruck im Gesicht und überfiel die schlendernden Schafe. Sie schnüffelte Hinterteile und begann, überall aufzureiten. Die anderen Mähdels waren teilweise sehr überrascht, denn wir hatten noch nie ein derart promiskuitives Schaf in der Herde, besonders nicht zum Zeitraum der Geburten. Nachdem sie sich wieder gefangen hatten, wälzten sie etwas empört die aufdringliche Mell von sich runter, hatten aber keinerlei Ambitionen, in ihrem vorgeburtsgebendem Zustand noch irgendetwas mehr dazu zu sagen.

Was soll man da als Schäferin machen? Etwas ratlos und stirnrunzelnd stand ich da, schimpfte ein bisschen mit Mell, sie solle doch nicht so übergriffig sein, aber ich sah recht schnell, das es keinen Sinn hatte. Der Trieb war einfach zu groß. Und zugegeben, ein bisschen witzig war es schon, wie sich ein Dickbauchschaf auf ein anderes Dickbauchschaf wuchtet… Zum Glück währte diese Phase nicht lange und Mell hatte sich wieder ihrer Traglast ergeben. Kurz darauf wurde es ernst. Nebla, die Urschäfin der Herde, kam eines abends bei mir vorbei und ihre sonst so gleichmütig halbgeschlossenen Augen und ihr robustes, beständiges Dasein im Meditationskauen zum geistigen Herdengeschehenkontrollieren waren einem wachsamen Gesichtsausdruck und weit offenen Augen gewichen. „Alles klar, geht los.“ sagte sie kurz und knapp, vergewisserte sich, dass ich ihre Botschaft wahrgenommen habe und rannte weiter. Sie war einem Schaf auf der Spur und ich sah, dass sie zielstrebig auf Mell zusteuerte. Dort angekommen, blickte sie zu mir zurück, wie um mir zu zeigen, dass Mell die erste sein würde. „Oh, Nebla, Mell ist dran?“ fragte ich noch. Ein aufgeregtes Nicken und ein Blick von Nebla zu der baldigen Mama. Allerdings machte Mell noch keine Anzeichen, dass es schon sehr weit fortgeschritten war mit Geburt und ich wusste, ich kann nochmal schlafen gehen. „Ok, dann pass mal auf Mell auf, ja?“ „Mach ich, kein Ding.“ und Nebla folgte Mell aufs Hinterteil, die ihrerseits gerade den Stall Richtung Auslauf verließ. Auf Nebla ist Verlass. Immer.

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