WeidenHof

gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft

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11. Wolfsgeheul

 Oktober 2017

Dies ist ein leider nicht gehaltener Wortbeitrag bei der Veranstaltung der FDP „Wie geht es weiter mit dem Wolf?“ am 4.10. 2017 in Hiddingen.

„Mein Name ist Roderich Höfers, ich bin Rentner und freiwilliger Mitarbeiter auf dem Weidenhof, einer Solidarischen Landwirtschaft, wo auch Schafe, Ziegen und andere Tiere weitgehend draußen leben.

Ich bin für den Wolf, um das ganz klar zu sagen. Ich bin für Artenvielfalt und Umweltschutz und ich mag auch einige Hunde, wenn sie gut erzogen sind.

Deshalb suche ich bei den Befürwortern des Wolfschutzes immer wieder nach Argumenten für die Ansiedelung des canis lupus in Deutschland, die ich nachvollziehen kann und die mich überzeugen.

Die Wolfsschützer sagen, der Wolf sei ein scheues Tier und er gehe Menschen aus dem Weg. Man brauche keine Angst zu haben. Man müsse Glück haben, überhaupt mal einen Wolf zu Gesicht zu bekommen.

Ich sehe aber in den Medien Bilder von Wölfen auf deutschen Straßen in Wohngebieten, sehe, wie mit den Smartphone gefilmte Wölfe bis auf wenige Meter an Forstarbeiter herankommen und einem den Helm wegschleppen, höre von einem Bauern, die sich nicht aus seinem Trecker

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10. Säsongng

April 2017

= „für etwas wichtigster Zeitabschnitt innerhalb eines Jahres, in dem etwas Bestimmtes am meisten vorhanden ist oder am häufigsten stattfindet, in dem die stärksten Aktivitäten entfaltet werden.“ (Duden)

Ich erinnere mich, in meiner Jugend – das ist 50 Jahre her – gab es im Winter und Frühling keine Tomaten. Tante Liesel und Onkel Kurt, die nach Italien in Urlaub fuhren, brachten meine ersten grünen Paprika mit, na ja, die waren interessant, aber damals nicht richtig lecker. Währenddessen begannen die Holländer, Treibhäuser zu bauen und Tomaten das ganze Jahr anzubieten. Nur schmeckten die wie eingeschlafene Füße. Aber das Interesse des Verbrauchers an ganzjährig verfügbarem Obst und Gemüse wurde geweckt, Produzenten entdeckten ihre Märkte, in Spanien und Israel wurden Gewächshäuser flächendeckend gebaut. Wege wurden günstiger.

Auf der anderen Seite der Erde ist Sommer, wenn hier Winter ist und fast nichts mehr wächst. Die entferntesten Länder sind ein paar Stunden von uns weg und die Welt wird immer kleiner. Der Transport von Früchten, Gemüse und Blumen aus Südafrika, Lateinamerika, Neuseeland und China ist inzwischen so normal wie der Kaffee zur Pause bei uns auf’m Acker. 5 Millionen Tonnen Obst und Gemüse wurden 2015 aus aller Herren Länder bis zu Otto Normalverbraucher auf den Tisch gekarrt.

Früher mussten die Muttis einkochen, heute gibt es fast nichts, was es nicht zu jeder Jahreszeit von irgendwoher frisch gibt. Der Trend, dass pausenlos knackige Erdbeeren und ewig lange frischer Spargel angeboten werden, ist noch nicht alt. Und seit einigen Jahren gibt es sogar schmackhafte Tomaten zu Weihnachten. Und wir haben uns daran gewöhnt. Es ist normal geworden, wundert keinen mehr.

Nun neigt sich das Wirtschaftsjahr des WeidenHofes seinem Ende zu. Am 30. April ist Feierabend. Am 1. Mai ist Neujahr. Die Vorräte an Wintergemüse werden knapp. Spinat, Salat und Radieschen wollen schon aus der Erde. Wir haben alle brav wieder ein Jahr lang saisonal gegessen. Das, was auch früher zu natürlicher Zeit auf dem Feld gewachsen ist, kam auf den Teller, sonst (fast) nix. Na gut, ein bisschen wird mit Thermohäusern auch auf dem Weidenhof nachgeholfen. Aber saisonal zu essen, das ist schon längst nicht mehr selbstverständlich, das ist schon außergewöhnlich. Das heißt, die uralten natürlichen Gewohnheiten kommen zurück.

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9. Lammzeit

             März 2017

Mitte Februar werden eines Morgens 11 Böckchen vom vergangenen Jahr nach Eyendorf gefahren um dort geschlachtet zu werden.

„Sie sind ganz problemlos in den Hänger gestiegen, ganz problemlos wieder raus, dann ein letztes Mal streicheln, sie haben keinerlei Stress gemacht“, sagt die Schäferin.

Ein kurzes Schafleben, würden wir sagen. Aber ihnen bedeutet die Zeit nichts. Sie zählen nicht die Jahreszeiten. Sie haben gelebt. Sie hatten nur gute Tage.

Sie waren entspannt, vielleicht sogar neugierig. Hatten sie denn gar keine Ahnung, was ihnen blüht? Sie hatten Vertrauen, sie hatten keine Angst, kein Adrenalin, keine Stresshormone im Blut. Und genauso ist jetzt die Wurst.

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8. LehrMeister

Februar 2017

 

Wurden wir Erstklässler damals (1959) gefragt: „Gehst du gerne zur Schule?“, sagten alle „ja“. Nur ich sagte „nein!“ Scheinbar ahnte ich etwas davon, was mir 20 Jahre lang widerfahren sollte - durch Grundschulzeit und Gymnasium bis Ende Studium: Ich musste überwiegend Stoff lernen, der mir nicht wichtig war und unter Umständen lernen, die mir nicht angenehm waren. Meine Lehrer waren überwiegend Menschen, die bei mir wenig Sympathie auslösten. Das ganze Schulsystem war mir zuwider. Um versetzt zu werden, hab' ich halt ge­paukt. Und dann, nachdem ich meinen letzten „Schein“ in der Tasche hatte, schlich sich gelegentlich die Frage ein: Und jetzt, Alter, was haste auf der Pfan­ne außer ein paar Theorien und davon den Kopf voll? Was weißt du über Bezie­hungen und wie man sie führt? Was weißt du über Krisen und wie man sie be­wältigt? Was weißt du über das Leben und das Sterben? Was weißt du über Kreativität und wie sie entsteht? Leben in Gemeinschaft, soziale Fähigkeiten, hast du darüber was gelernt?

 

Ich pauke schon lange nicht mehr. Aber in der zweiten Lebenshälfte und be­sonders jetzt, in Rente und am Ende meines Lebens, halte ich mich am Liebs­ten dort auf, wo ich noch etwas lernen kann. Meine Lehrer sind längst nicht mehr Menschen im Lehrerberuf, sondern alle Wesen, von denen ich tatsächlich etwas lerne. Meister sind nicht Leute mit einem Meisterbrief, sondern alle, die etwas in meisterlicher Qualität vollbringen oder abliefern. Davon möchte ich lernen. Die sind meine Lehrmeister.

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7. Glück

Januar 2017

Happinez, die Zeitung für Lebensfreude mit der Anleitung zum Glücklichsein von Frau Bernstein liegt vor mir. Daneben eine Zeitschrift mit der ayurvedischen Formel für Glück. „Zum Glück gibt’s Expert“ steht auf dem Bus, als wir in Soltau an der Ampel warten. Glücklichsein kann man auf Wochenendseminaren lernen, jede Menge Bücher darüber lesen, wie man Glück hat und glücklich lebt, und kaufen kann man Glück in jeder Form. Alleine das Kaufen macht ja schon glücklich.

Glück ist ein sehr begehrter Zustand. Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Es lässt sich deshalb wunderbar vermarkten, denn scheinbar möchte jeder raus aus seinem Elend und seinem Jammertal und rein in das möglichst immer währende Glücksgefühl.

Da überlege ich gerade, wie es in punkto Glück denn auf dem Weidenhof aussieht. Was mich betrifft, kann ich über einen Mangel nicht klagen. Als ich letzten Sommer beispielsweise den Iveco-Transporter zum ersten Mal rückwärts an die Gemüsehalle fuhr, stand eine Schraube weit aus der Wand und kracks hatte das Rücklicht ein Loch.

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