5.10.2017

Dies ist ein leider nicht gehaltener Wortbeitrag bei der Veranstaltung der FDP „Wie geht es weiter mit dem Wolf?“ am 4.10. 2017 in Hiddingen.

„Mein Name ist Roderich Höfers, ich bin Rentner und freiwilliger Mitarbeiter auf dem Weidenhof, einer Solidarischen Landwirtschaft, wo auch Schafe, Ziegen und andere Tiere weitgehend draußen leben.

Ich bin für den Wolf, um das ganz klar zu sagen. Ich bin für Artenvielfalt und Umweltschutz und ich mag auch einige Hunde, wenn sie gut erzogen sind.

Deshalb suche ich bei den Befürwortern des Wolfschutzes immer wieder nach Argumenten für die Ansiedelung des canis lupus in Deutschland, die ich nachvollziehen kann und die mich überzeugen.

Die Wolfsschützer sagen, der Wolf sei ein scheues Tier und er gehe Menschen aus dem Weg. Man brauche keine Angst zu haben. Man müsse Glück haben, überhaupt mal einen Wolf zu Gesicht zu bekommen.

Ich sehe aber in den Medien Bilder von Wölfen auf deutschen Straßen in Wohngebieten, sehe, wie mit den Smartphone gefilmte Wölfe bis auf wenige Meter an Forstarbeiter herankommen und einem den Helm wegschleppen, höre von einem Bauern, die sich nicht aus seinem Trecker

wagt, weil der Wolf davorsteht, höre von Wolfbegegnungen bis unter 10 Meter Abstand hier ganz in der Nähe und sehe den Wolf auf Bildern der Wildkamera an der Grundstücksgrenze des Weidenhofes. Wenn ich spazieren gehe oder Fahrrad fahre, bemerke ich Schilder, die vor dem Wolf warnen, auch in besiedelten Gebieten hier in der Nähe. Ich höre, dass eine beträchtliche Zahl von Wölfen schon überfahren wurde. Auf öffentlichen Straßen! Nicht im tiefsten Walde. Ich kann kaum glauben, dass der Wolf wirklich so scheu ist.

Ich weiß die genauen Zahlen nicht, aber sehr viele Weidetiere, auch schützenswerte Rassen, sind dem Wolf schon zum Opfer gefallen. Die Wolfsschützer sagen, man könne seine Nutztiere mit einem Zaun schützen, wenn er 1,20 m oder 1,50 hoch ist. Ich sehe aber in den Medien Bilder von gerissenen Schafen, die hinter einem Zaun gelebt haben, der fast 2 Meter hoch ist. Erstaunlich, aber offenbar möglich.

Und die Wölfe holen sich nicht ein Schaf und fressen das auf. Sie massakrieren oft einen Teil der Herde wie der Fuchs im Hühnerstall. Viel mehr als sie in einem Monat fressen könnten. Einige Tiere töten sie, andere lassen sie halbtot liegen, manchmal hängt aus dem aufgerissenen Bauch ein ungeborenes Lamm heraus. Die halbtoten Tiere darf der Halter aber erst erlösen, wenn der Herr oder die Frau Wolfexperte und -beauftragte sich ein Bild von der Situation gemacht haben. Ja, der Zaun erfüllt die Vorschriften. Ja, wenn das jetzt wirklich ein Wolf und kein Hund war, dann haben Sie wohl ein Anrecht auf Schadensersatz.

Ich kann kaum glauben, dass Zäune Wölfe sicher vom Jagen abhalten. Und dass es nicht zwangläufig irgendwo Schwachstellen in einem Schutzsystem gibt, die der Wolf ausfindig macht. Der ist ja nicht blöd.

Aber der Wolf vom Weidenhof trifft seit heute auf einen Elektrozaun mit 9900 Volt Spannung. Da muss er erst mal durch. Oder drüber. Oder drunter. Aber viel mehr kann man zur Zeit nicht schützen

Die Wolfschützer sagen, Herdenschutzhunde seinen wirksam gegen Wolfsangriffe. Pro 100 Schafe ein Herdenschutzhund, also einer, besser zwei für den Weidenhof. Wer mehr Wollis hat, sag’ mal 500, um davon zu überleben, der braucht 5 Hunde. Herdenschutzhunde sind große Tiere. Die kosten sehr viel Geld und haben viel Hunger. Und die müssen wirklich gut erzogen sein, denn sonst sind die für alles gefährlich, was sich der Herde nähert. Auch für Kinder. Und Hobbyzüchter mit weniger als 100 Tieren?

Ich sehe in den Medien Bilder von einem großen toten Herdenschutzhund, dessen hintere Hälfte von Wölfen aufgefressen ist. Sind Herdenschutzhunde wirklich eine gute Lösung gegen den Wolf? Ich kann es kaum glauben.

Die Wolfsschützer sagen, es gebe ja Entschädigungen für Wolfsrisse, wie sie das nennen. Sagen wir mal 100 Euro für ein Schaf, soviel ist das Fleisch vielleicht wert. Der Halter muss aber erst beweisen oder bestätigen lassen, dass da eindeutig Isegrim am Werk war.

Alle Entschädigungen für die inzwischen vielen getöteten Tiere, die staatlichen Zuschüsse für die Zäune und was nicht alles zum vermeintlichen Schutz der Weidetiere, die Gehälter der Wolfsexperten und Wolfsberater und Wolfsdies und Wolfsdas, - sollen wir das mal auf die geschätzten 1000 Alttiere in Deutschland umrechnen, was uns da jeder Wolf kostet und wert ist? 10.000 Euro? 20.000 Euro pro Tier? Im Jahr! Und weißt du was?: solltest du Steuern bezahlen, dann ist staatliches Geld auch deine Kohle, die da scheu nur ein bisschen im Wald herumläuft und mit der wir uns „arrangieren“ müssen, wenn mal ein paar Nutztiere gefressen oder nur tot gebissen wurden.

Wenn du als Tierhalter dann beweisen kannst, dass alle gesetzlichen Schutzvorschriften fein und lückenlos eingehalten sind und du viele Antragspapiere ausgefüllt hast, bekommst du den Fleischwert für deine Tiere ersetzt. Aber nur dann. Nichts bekommst du für eine gesunkene Geburtenrate, wenn die überlebenden Tiere ständig Angst haben. Mit der ganzen Arbeit und den ganzen Nebeneffekten und deinen eigenen Gefühlen und deiner Trauer kannst du dich alleine „arrangieren“. Dass der wirkliche Schaden durch einen Wolfsangriff entschädigt wird, kann ich kaum glauben.

Die Wolfsschützer sagen, Menschen werden durch Wölfe nicht angegriffen. Jetzt ist eine englische Touristin in Griechenland aber aufgefressen worden. Sehr wahrscheinlich vom Wolf. Die Wolfsschützer sagen, selbst wenn die DNA-Analyse ergebe, dass es der Wolf war, sei das noch lange kein Beweis. Wie bitte?

Wenn ich den Medien glauben darf, (was ich nicht immer tue, aber gelegentlich) das wurde 1976 ein Kind in Deutschland vom Wolf angegriffen und ein Stück weit weggeschleppt. Es hat überlebt.

Liebe Anwesende! Viele von uns freuen sich, wenn sie locker Beute machen können und etwas zu fressen kriegen ohne sich groß anzustrengen, oder? Da ist uns doch das Tier gar nicht so fremd. Dass der Wolf sich früher oder später alles Mögliche holt, was er kriegen kann, euer Schaf, euer Fohlen, euer Kalb, euer Schoßhündchen, euren Herdenschutzhund, - aber euer Kind oder gar euch selbst verschmäht, wenn er euch kriegen kann, ohne sich groß anzustrengen, das kann ich auch kaum glauben.

Die Wolfschützer sagen noch viele andere Sachen zu Gunsten ihrer Schützlinge. Aber immer wieder lese und höre ich, dass die Betreuten ihre Betreuer Lügen strafen. Was diese „Experten“ zu Gunsten des Raubtieres erzählen, ist gestern, heute oder spätestens übermorgen widerlegt. Offenbar sagt der Geschützte: „Ätsch, ich kapiere in meiner Praxis etwas schneller wo’s lang geht als du in deiner Theorie!“

Und die Argumente, mit denen die Wolfschützer sich dann trotzdem rechtfertigen, reichen bei mir leider nur von „nicht überzeugend“ bis „langsam klappen sich aber die Fußnägel hoch“.

Der Schutz des Wolfes ist Gesetz. Deutsches Gesetz. Europäisches Gesetz. Und Gesetz ist Gesetz, basta. Wer das Gesetz verletzt und einen Wolf erschießt, bekommt eine Geldstrafe oder geht bis zu 5 Jahre in den Knast.

Und wenn er Pech hat, kriegt er Morddrohungen von Wolfsfanatikern.

Und das Gesetz ist Naturgesetz!!! Oder hat doch der Mensch es erlassen? Derselbe Mensch, der schon viele andere europäische Gesetze erlassen hat, die mehr als fragwürdig sind. Und könnte es dann möglich sein, dass andere Menschen dieses Gesetz ändern und andere Gesetze machen? Wird das nicht höchste Zeit? Ist das nicht längst überfällig?

Bei 1000 Elterntieren haben wir bei einer etwa achtköpfigen Familie an die 4000 hungrige Wölfe in Deutschland zu beköstigen.

Liebe Wolfsschützer und Gesetzesbefürworter: Ich fürchte sehr, dass es nicht mehr lange dauert, bis die Bildzeitung über einen ersten Wolfsangriff auf Menschen in Deutschland berichtet. Wen von euch dürfen wir dann verantwortlich machen? Wen dürfen wir zur Rechenschaft ziehen. Von wem von euch dürfen wir dann Schadensersatz für ein Kind fordern? Von den Europapolitikern? Von euch Grünen? Euch Nabu-Naturschützern? Euch Wolfsromantikern?

Ich bin für den Wolf! Der Wolf soll leben und nicht aussterben. Er soll leben in Sibirien und in Canada, in der Mongolei und in Südamerika, wo genügend Platz für ihn ist. In Polen meinetwegen, wenn’s den Polen recht ist, 300 Wölfe dürfen in Schweden leben, da ist die menschliche Besiedelung nicht so dicht. Ein paar werden auch in Frankreich und Italien geduldet und ein paar dürfen von mir aus auch in Deutschland leben: in Verden im Wolfscenter.

Ich wünsche mir keine Krokodile (?) in deutschen Flüssen, keine Bären im Mittelgebirge und nicht mehr Giftschlangen in unseren Wäldern, nur weil irgendwann irgendeine Tierart schon mal hier beheimatet war. Die Zeiten ändern sich!

                   Der Wolf an sich ist nicht das Problem!

Aber der Wolf in der Nachbarschaft schadet mir. Er macht mir ein schlechtes Gefühl. Weniger, weil ich Angst um meinen eigenen Schinken habe, in den er beißen könnte, sondern mehr weil mich das Leid berührt, das er auslöst durch den Schaden, den er anrichtet bis hin zur Verzweiflung und der Auflösung kleiner, geliebter Schafherden.

Ich wünsche keinem Weidetierhalter frei lebende Wölfe und andere Raubtiere in seiner Nähe, deren „Entnahme“ bei Strafe verboten ist. Ganz sicher auch nicht dem Weidenhof.“

Das wollte heute gesagt werden.

PS.

Peinlicherweise spiele ich mit der Einstellung in der gleichen Liga wie FDP, die dem Raubtier Wolf in Deutschland skeptisch gegenüber steht, aber dem Raubtier-Kapitalismus in der Welt mit all seinen zerstörerischen Wirkungen und Nebenwirkungen Tür und Tor zu öffnen bereit ist.